
2022 traf eine Abmahnwelle tausende Websitebetreiber in Deutschland. Der Grund war banal: Schriften, die direkt von Google-Servern geladen wurden. Dabei wird die IP-Adresse des Besuchers übertragen, ohne dass er zugestimmt hat.
Die Welle ist abgeebbt, das Risiko besteht weiter. Und die Lösung dauert zehn Minuten und macht die Seite nebenbei schneller.
Das Wichtigste in Kürze
Beim dynamischen Einbinden wird die IP-Adresse an einen fremden Server übertragen.
Ein Landgericht sprach 2022 Schadenersatz zu, danach folgten Massenabmahnungen.
Die Lösung ist das lokale Einbinden: Schriften herunterladen und selbst ausliefern.
Das betrifft auch andere eingebettete Dienste wie Karten und Videos.
Nebenbei wird die Seite schneller, weil eine fremde Verbindung entfällt.
Was technisch passiert
Beim üblichen Einbinden steht im Kopfbereich der Seite ein Verweis auf einen Google-Server. Beim Aufruf der Seite fordert der Browser die Schriftdatei dort an und übermittelt dabei zwangsläufig die IP-Adresse des Besuchers.
Das geschieht, bevor der Besucher irgendetwas anklicken konnte. Genau darin liegt das Problem: Es gibt keine Möglichkeit zur Einwilligung, weil die Übertragung schon stattgefunden hat.
Was das Urteil besagt
Das Landgericht München I entschied im Januar 2022, dass die dynamische Einbindung ohne Einwilligung das Persönlichkeitsrecht verletzt, und sprach dem Kläger Schadenersatz zu. Die Summe war gering, die Wirkung groß: In den Monaten danach verschickten einzelne Kanzleien massenhaft gleichlautende Schreiben.
Viele dieser Massenabmahnungen wurden später als rechtsmissbräuchlich eingestuft. Das ändert nichts daran, dass die zugrunde liegende Bewertung der Einbindung bestehen bleibt.
Praxistipp: Zahlen Sie nicht vorschnell, wenn ein solches Schreiben kommt, sondern lassen Sie es prüfen. Beheben Sie parallel die Ursache, das ist in beiden Fällen richtig.
So prüfen Sie Ihre Seite
Zwei Wege, beide kostenlos:
Im Browser die Entwicklerwerkzeuge öffnen, den Netzwerk-Reiter wählen und die Seite neu laden. Wenn dort Anfragen an fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com stehen, wird dynamisch geladen.
Im Quelltext nach „fonts.googleapis" suchen. Ein Treffer im Kopfbereich bedeutet dasselbe.
Prüfen Sie nicht nur die Startseite. Häufig ist eine einzelne Unterseite betroffen, etwa weil dort ein anderes Element eingebunden ist.
Die Lösung
Schriften herunterladen und vom eigenen Server ausliefern. Der Ablauf:
Die verwendeten Schriftfamilien und Schnitte feststellen.
Die Dateien im Format WOFF2 herunterladen.
Auf den eigenen Server legen und im Stylesheet einbinden.
Den Verweis auf den fremden Server entfernen.
Erneut im Netzwerk-Reiter prüfen, dass keine Anfrage mehr hinausgeht.
Bei Baukastensystemen ist das oft eine Einstellung, bei manchen wird ohnehin lokal ausgeliefert. Bei Redaktionssystemen gibt es Erweiterungen, die das übernehmen.
Andere Dienste mit demselben Muster
Das Prinzip gilt für alles, was vor einer Einwilligung von fremden Servern lädt:
Dienst | Lösung |
Eingebettete Karten | Vorschaubild, Laden erst nach Klick |
Videos | Vorschaubild, Laden erst nach Klick |
Symbolschriften | Lokal einbinden |
Bewertungswidgets | Erst nach Einwilligung laden |
Skript-Bibliotheken | Lokal ausliefern |
Der Nebeneffekt
Jede entfernte Fremdverbindung spart Zeit. Der Browser muss keine zusätzliche Verbindung aufbauen, keinen fremden Server abwarten und keine Umleitung verfolgen.
Bei Seiten mit mehreren solchen Einbindungen summiert sich das auf mehrere hundert Millisekunden, die besonders auf dem Handy spürbar sind.
Wichtige Erkenntnisse
Punkt | Was zu tun ist |
Ursache | Dynamische Einbindung überträgt die IP ohne Einwilligung |
Prüfen | Netzwerk-Reiter im Browser, auch auf Unterseiten |
Lösung | Schriften lokal ausliefern, Verweis entfernen |
Übertragbar | Gleiches Muster bei Karten, Videos und Widgets |
Bonus | Weniger Fremdverbindungen bedeutet kürzere Ladezeit |
Was das in der Praxis heißt
Wer heute eine Seite baut, sollte Schriften grundsätzlich lokal einbinden. Es gibt keinen praktischen Nachteil und zwei Vorteile: kein Rechtsrisiko und weniger Ladezeit.
Bei Bestandsseiten lohnt eine einmalige Prüfung aller Seitentypen. Erfahrungsgemäß findet man dabei noch zwei bis drei weitere Fremdverbindungen, an die niemand gedacht hat.
Wie wir das machen
Bei unseren Projekten werden Schriften lokal ausgeliefert, und eingebettete Dienste laden erst nach Einwilligung. Das prüfen wir vor jedem Livegang.
Wenn Sie wissen wollen, was Ihre Seite heute lädt, sehen wir uns das im Erstgespräch gemeinsam an.
Nützliche Quellen
Häufige Fragen
Ist die Abmahnwelle vorbei?
Die Massenabmahnungen sind zurückgegangen und wurden teils als rechtsmissbräuchlich bewertet. Die Ursache zu beheben bleibt trotzdem richtig.
Hilft ein Cookie-Banner?
Nur wenn es die Schriften tatsächlich blockiert, bis zugestimmt wurde. Ein Banner, das nichts blockiert, hilft nicht.
Darf ich die Schriften überhaupt lokal nutzen?
Die meisten Google Fonts stehen unter einer freien Lizenz, die das ausdrücklich erlaubt. Prüfen Sie die Lizenz der konkreten Schrift.
Was ist mit Adobe Fonts und anderen Anbietern?
Dasselbe Muster. Wo möglich lokal einbinden, sonst erst nach Einwilligung laden.
Passend dazu
Passend dazu: Ladezeit verbessern und Cookie-Banner.


